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Unternehmenskultur  
25.10.2017

Compliance als Luftblase?

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
Ethik-Kodizes: Zu oft schön, aber inhaltsleer? (Foto: fotomek/Fotolia.com)
Die den Wirtschaftspsychologen bekannte Lust am Regelbruch verschont auch sicherheitsbewusste Luftfahrtunternehmen nicht.
Dies ist den Board News des Deutschen Corporate Governance Instituts (DCGI) vom 20.10.2017 zu entnehmen, in denen Airbus-Vorstandschef Thomas Enders wie folgt zitiert wird: „Wir haben immer wieder interne und auch externe Prüfungen veranlasst und auch Prozesse verbessert. Und dennoch mussten wir feststellen, dass offenbar Regelverstöße möglich waren.”

Die Lust am Regelbruch

Das zeigt nach vom DCGI vertretener Ansicht erneut, dass die Vorstellung, man könne Compliance-Risiken durch optimierte Prozesse und Kontrollsysteme auf einen Werte nahe Null reduzieren, naiv ist: Nicht ohne Grund verweisen Wirtschaftspsychologen auf die „Lust am Regelbruch”, die den Menschen innewohnt. Deshalb sei es gefährlich, das Thema in erster Linie Controllern und Juristen zu überlassen.

Kultur statt formalistischem Habitus

Aus DCGI-Sicht ist Compliance zuallererst eine Kulturfrage. Statt eines formalistischen Habitus benötigen Unternehmen Diskussionen: Wie können wir eine Unternehmenskultur schaffen, die die „Lust am Regelbruch” eindämmt? Pauschale Antworten hat man auch dort leider nicht im Angebot. Jedenfalls reichen wohlformulierte Ethik-Kodizes nicht aus und können sogar kontraproduktiv sein, wenn inhaltsleere Worthülsen dominieren. Das scheint wohl bei Air-Berlin der Fall gewesen zu sein, wenn man die immens hohen und offenbar insolvenzfest abgesicherten Gehaltsansprüche des dortigen Vorstandschefs Thomas Winkelmann zur Kenntnis nehmen muss (zur Empörung s. beispielsweise hier).

Compliance-Kultur

Im IDW PS 980 wird Compliance-Kultur als erstes Grundelement eines CMS genannt. Sie kann als Fundament und als wichtigstes Grundelement bezeichnet werden. Zugleich ist sie das am schwierigsten zu gestaltende Grundelement, dessen Beurteilung eine besondere Herausforderung darstellt. In dem Band Betriebswirtschaftliche Grundsätze für Compliance-Management-Systeme erschließt Dr. Karl-Heinz Withus die überwiegend juristisch diskutierten CMS-Gestaltungsgrundsätze aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Gute Unternehmensführung verlangt mehr als regelkonformes Verhalten. Sie bewährt sich in der Praxis und erfordert ein Wissen, das wiederum nur aus praktischen Erfahrungen gewonnen werden kann. Über die praktischen Herausforderungen bei der Aufstellung von Governance-Regeln schreibt Prof. Dr. Sybille Schwarz in ihrem Artikel Ansatzpunkte für eine gelebte Corporate-Governance-Kultur, erschienen in der Ausgabe 04/2017 der ZCG.

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(ESV/ps)