Der Fair Value gerät zunehmend in die Kritik. Die darauf basierende – lange fast euphorisch von Rechnungslegungsexperten begrüßte – IFRS-Bewertungskonzeption gilt mittlerweile als Brandbeschleuniger der Finanzmarktkrise und ist insoweit selbst in die Krise geraten.
Dies ist die Quintessenz des Festvortrags, der anlässlich der Verleihung des „Fasselt-Förderpreises 2010“ am 22.11.2010 in Duisburg gehalten wurde. Festredner war Prof. Dr. Karlheinz Küting (Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlandes, CBP) zum Thema „Der Fair Value in der Krise“.
Im Rahmen seiner einführenden Auseinandersetzung mit dem Begriff Fair Value betonte der Referent insbesondere, dass hiermit nicht der beizulegende Wert nach HGB gleichgesetzt werden dürfe. Festzustellen sei eine Vielzahl von Fair-Value-Ausprägungen, so etwa in IAS 16 (Sachanlagen), in IAS 39 (Finanzinstrumente) und in IAS 40 (als Finanzinvestition gehaltene Immobilien). Der beispielsweise in IAS 39 vorausgesetzte aktive Markt fehle jedoch in der ganz überwiegenden Zahl der Bewertungsfälle. Seine Erfahrungen zeigen, dass es streng genommen für weniger als 5 Prozent der Vermögensgegenstände einen derart ermittelbaren Fair Value gibt. Damit seien für nahezu 95 Prozent Hilfslösungen erforderlich, die dann die Anwendungsproblematik mit sich bringen.
Somit sei über den Fair Value die Richtung einer entobjektivierten Bilanz vorgezeichnet. Folge einer zunehmenden Berücksichtigung von Fair Values (FV) in der Bilanzierung ist – so mahnte der Referent –, dass diese sich einerseits zum Spielball der Bilanzpolitik entwickelt und auf der anderen Seite drastisch erhöhte Anforderungen für die Bilanzanalyse mit sich bringt. Potenzial für Regelverstöße böten insbesondere eine mangelnde Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit und Verständlichkeit der ausgewiesenen FV.
Zudem sehe sich zumindest das deutsche Bilanzrecht einem Zielbündel gegenüber, das zu erfüllen sei (neben der beim FV im Vordergrund stehenden Entscheidungsrelevanz z.B. die Dokumentation, Rechenschaftslegung etc.). Dies könne mit einem allumfassenden Bewertungskonzept nicht erreicht werden, denn letztlich benötige jeder Rechnungslegungszweck für seine Bewertung eine spezifische Ausrichtung und Darstellung in der Bilanz.
In der Wirtschaftskrise der vergangenen zwei Jahre habe sich mehr als deutlich herauskristallisiert, dass die FV-Bewertung als Krisenkatalysator gewirkt habe: Zwar seien Fair Values nicht der Auslöser der krisenhaften Entwicklung, sie hätten aber als Brandbeschleuniger gewirkt. Für den Mittelstand sieht er die FV-Bilanzierung als viel zu schwierig und aufwendig an. Auch bankenseitig werden nach wie vor HGB-Bilanzen oder zumindest entsprechende Überleitungsrechnungen gefordert.
Weitere Informationen zur Veranstaltung: Fasselt Förderpreis 2010
Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
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