Eine aktuelle Analyse von Rödl & Partner beschreibt den Wandel als Verschiebung von der internen Vergütungssteuerung hin zu proaktiver Transparenz und Erklärbarkeit.
EU-rechtlich muss Deutschland die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen. Nach aktuellen Meldungen wird diese Frist jedoch voraussichtlich nicht eingehalten; geplant ist demnach ein Inkrafttreten nationaler Regelungen Anfang 2027. Für Unternehmen bedeutet das keine Entwarnung. Die zentralen Anforderungen sind bereits absehbar und betreffen Vergütungslogik, Auskunftsrechte, Dokumentation und Reporting.
Treiber der Regulierung ist der weiterhin bestehende Gender Pay Gap. Frauen verdienten in Deutschland 2025 pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer; der bereinigte Verdienstunterschied liegt bei 6 Prozent, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die neue Regulierung soll Entgeltunterschiede offenlegen und Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, Vergütungsabweichungen sachlich zu erklären.
Auch tarifgebundene Unternehmen sind nicht automatisch auf der sicheren Seite. Tarifverträge bieten zwar eine wichtige Grundlage für Eingruppierungen, Entgeltstufen und Entwicklungslogiken. Sie ersetzen aber nicht die Analyse tatsächlicher Tätigkeiten, gleichwertiger Stellenprofile und individueller Vergütungsbestandteile. So können Zulagen, Sonderzahlungen oder historisch gewachsene Gehaltsunterschiede künftig erklärungsbedürftig werden.
In der Praxis bestehen häufig Lücken: Stellenprofile sind nicht aktuell, Vergleichsgruppen fehlen, Eingruppierungen passen nicht immer zu den tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten, und vorhandene Vergütungsdaten sind oft nicht strukturiert auswertbar. Hinzu kommt, dass Führungskräfte auf transparente Gehaltsgespräche vorbereitet werden müssen.
Für Unternehmen wird deshalb eine datenbasierte Analyse zum Schlüssel. Vergütungsstrukturen sollten systematisch nach Rollen, Organisationseinheiten, Tätigkeitswertigkeit und weiteren relevanten Kriterien ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage lassen sich Entgeltunterschiede identifizieren, Ursachen bewerten und gezielte Maßnahmen ableiten.
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