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Compliance-Kodex  
25.02.2015

Wie unabhängig sind die Medien?

Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen (© Fotolia, SnappyStock)
Der Arbeitskreis Corporate Compliance macht sich sorgen um die Unabhängigkeit der Medien. In einem Kodex fordert er die Unternehmen auf, die Unabhängigkeit der Medien zu wahren.
Wie ist es um die Unabhängigkeit um die Berichterstattung in den deutschen Medien bestellt? Anscheinend nicht besonders gut. Denn wenn Wirtschaftsunternehmen von sich aus beklagen, dass die Einflussnahme auf die Redaktionen durch die PR-Abteilungen zu leicht ist, ist etwas faul in der Medienlandschaft Deutschlands.

"Unternehmen können heute in einem Ausmaß redaktionelle Berichterstattung kaufen, wie das früher völlig undenkbar war. Und sie machen davon Gebrauch", so Jürgen Gramke, Vorsitzender des Arbeitskreises, gegenüber dem Manager Magazin.

Daher hat der Arbeitskreis „Corporate Compliance der deutschen Wirtschaft“ den "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" ausgearbeitet. Zu den  Mitgliedern des Arbeitskreises Corporate Compliance zählen die Compliance-Verantwortlichen der Dax-Konzerne  Allianz, BASF, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Eon, MunichRe, RWE und Volkswagen.

Unternehmen üben wirtschaftlichen Druck auf die Redaktionen aus

Ziel des Kodexes ist es, die verdeckte Einflussnahme von werbenden Firmen auf die redaktionelle Berichterstattung zu stoppen. Besonders betroffen sind nach Meinung von Tilmann Kruse, Sprecher des Presserats und im Hauptberuf Chefjustiziar von Gruner + Jahr, ebenfalls gegenüber dem Manager Magazin, vor allem die kleineren Redaktionen. Hier sei der wirtschaftliche Druck teilweise so groß, dass PR-Profis leichtes Spiel hätten. Der Kodex soll den Verantwortlichen klar machen, "dass sie bei allem berechtigten Ehrgeiz, ihre Gewinne zu maximieren, auch eine Verantwortung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung haben. Und für die ist eine funktionierende und nicht korrumpierte Presse von zentraler Bedeutung." Die Landespressegesetze sowie der Pressekodex sind nach Auffassung von Kruse hier wirkungslos, weil sie sich "ausschließlich an die Medienunternehmen richten“.

Die Kernforderungen des Medien-Compliance-Kodexes im Überblick

Die Kernforderungen in dem Compliance-Kodex, lassen erahnen, wie weit inzwischen der Einfluss von PR-Abteilungen auf die Berichterstattung reicht:
  • "Die Unternehmen dürfen einzelnen Medien nicht aufgrund erfolgter oder zu erwartender kritischer Berichterstattung mit Werbeentzug oder anderen Nachteilen drohen."
  • "Unternehmen und Medien schulden dem Verbraucher Transparenz, ob ein Beitrag werblich oder redaktionell ist. Der Verbraucher sieht sich bei erkannter Vermischung von Werbung und Redaktion getäuscht und wendet sich von dem Produkt oder dem Unternehmen ab."
  • "Die Unternehmen und deren Mediaagenturen beachten die organisatorische Trennung von Werbe- bzw. Vermarktungsabteilung und Redaktion in den Medienunternehmen. Sie erwarten oder verlangen im Zusammenhang mit dem Schalten von Werbung keine redaktionellen Beiträge und wirken auf eine klare Erkennbarkeit oder Kennzeichnung der Werbung als Werbemittel hin."
Damit der "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" nicht nur ein Stück Papier bleibt, will Arbeitskreis-Vorsitzender Gramke in den nächsten Wochen diesen mit den Fraktionschefs im Deutschen Bundestag, dem Bundesjustizministerium sowie mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erörtern. Dies wäre dann eine PR-Aktion für weniger Einfluss. Den gesamten Compliance-Kodex können Sie hier nachlesen. (Quelle: Manager Magazin)

Mario Schulz, ESV-Redaktion COMPLIANCEdigital | 11:00 Uhr, 25.02.2015