COMPLIANCEdigital
 
Studie  
02.08.2019

Urlaub mit dem Arbeitgeber

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
Immer mehr Deutsche sind auch im Urlaub erreichbar. (Foto: JenkoAtaman/Fotolia.com)
Viele Berufstätige in Deutschland trennen ihr Privatleben auch im Urlaub nicht von ihrem Job: 70 Prozent der Sommerurlauber 2019 sind während dieser Zeit dienstlich erreichbar.
Damit ist der Anteil der im Urlaub erreichbaren Berufstätigen im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen: 2018 waren noch 64 Prozent im Urlaub beruflich ansprechbar. 65 Prozent der Befragten geben an, per Kurznachricht wie WhatsApp, SMS oder iMessage für ihren Arbeitgeber, ihre Kollegen oder Geschäftspartner erreichbar zu sein. 58 Prozent gehen dafür auch ans Telefon und mehr als jeder Vierte (26 Prozent) ruft während des Urlaubs seine beruflichen E-Mails ab. Dies sind die Ende Juli 2019 bekanntgegebenen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom (zur Pressemeldung).

Radikaler Wandel der Arbeitswelt

Dazu erläutert der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder, dass die vormals - zumindest bei abhängig Beschäftigten - existierende klare Trennlinie zwischen Beruf und Privatleben sich zunehmend auflöse: „Viele Arbeitnehmer genießen Vertrauensarbeitszeiten und können auch von ihrem Arbeitsplatz aus private Dinge erledigen. Und umgekehrt sind viele Arbeitnehmer bereit, auch im Urlaub dienstlich erreichbar zu sein.” Da es allerdings wichtig sei, dass die freie Zeit möglichst ungestört zur Erholung oder für rein private Unternehmungen genutzt werden kann, rät Rohleder den Unternehmen, darauf zu achten, „dass es gute und funktionierende Vertretungslösungen gibt und Kollegen im Urlaub nur im absoluten Notfall gestört werden.”

Keine rechtliche Verpflichtung, aber arbeitskulturelle Einflüsse

Vor allem Jüngere setzen bewusst Grenzen: So geben 36 Prozent der 16- bis 29-Jährigen an, in ihrem diesjährigen Sommerurlaub nicht erreichbar zu sein. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 29 Prozent. „Eine rechtliche Verpflichtung zur Erreichbarkeit besteht in den meisten Fällen nicht”, betont Rohleder. Der Wandel der Arbeitskultur stelle die Unternehmen jedoch vor Herausforderungen. Urlaubssperren wegen dienstlicher Belange werden zur Ausnahme. Das könne umgekehrt bedeuten, dass jemand auch während seines Urlaubs noch ein Auge auf ein laufendes Projekt hat, gerade in kleinen Unternehmen. Wichtig sei, dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern Absprachen zur Erreichbarkeit treffen, die der individuellen Situation am besten entsprechen.

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(ESV/ps)