Polarisierung wird zum Geschäftsrisiko
Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Political Risk Index von Willis, einem Geschäftsbereich des Beratungsunternehmens WTW. Demnach nehmen Polarisierung und Populismus sowohl in den USA und Europa als auch in den Schwellenländern zu. Für Betriebe ergäben sich daraus „eine Reihe von Risiken“.
Polarisierung wirke nicht so bedrohlich wie beispielsweise der Krieg in der Ukraine, sei jedoch „persönlicher“ – das erschwere nicht nur die Risikobewertung und Schadensvermeidung für Unternehmen, sondern beeinflusse auch das Miteinander, etwa in Belegschaften, unter Geschäftspartnern oder in Netzwerken. Für Unternehmen rücke das Thema Polarisierung unter den politischen Risiken auf Platz zwei – direkt hinter dem geostrategischen Wettbewerb zwischen rivalisierenden Großmächten.
Weitere Erkenntnisse, auf die WTW eingeht:
- Länder, in denen gewaltsame politische Konflikte ausgetragen werden, sind in der Regel am stärksten polarisiert – aber im Durchschnitt nimmt die affektive Polarisierung in Demokratien derzeit am schnellsten zu.
- In Demokratien folgten Polarisierungsschübe in der Regel auf Wirtschaftskrisen oder Korruptionsskandale – dies ging häufig mit dem Erstarken populistischer politischer Bewegungen und einer Zunahme politischer Gewalt einher.
- Geopolitische und außenpolitische Differenzen können zu einer Polarisierung der Gesellschaft führen.
Wie Unternehmen umdenken müssen
WTW geht in einem Beispiel auf Indien ein. Das Land gehört zu den aufstrebenden Wirtschaftsnationen, mit einer jungen Bevölkerung, vielen Talenten, wirtschaftlichem Wachstum und Investitionen. Vielen Unternehmen gilt das Land als Ausweichmarkt, um sich beispielsweise unabhängiger von China zu machen. Es gebe jedoch Entwicklungen, die für Firmen zum Problem werden könnten: massive Zunahme an Spaltung entlang politischer, religiöser, sprachlicher und ethnischer Linien. Deshalb sei auch in attraktiv wirkenden Märkten Vorsicht geboten. Für Unternehmen sollte eine vorausschauende Risikoanalyse in allen Ländern zur Risikostrategie gehören.
Außerdem sollten Firmen die Vermögenswerte ausländischer Tochtergesellschaften und Joint Ventures gegen politische Risiken absichern, lautet eine allgemeine Empfehlung von WTW. Neben makroökonomischen und politischen Entwicklungen würden auch staatlich induzierte Risiken zunehmen. Dies äußere sich etwa in potenziellen Enteignungen, eingeschränktem Zugang zu Finanzierungsmitteln oder regulatorischen Eingriffen mit schwer kalkulierbaren Folgen.
Relevant seien nicht nur Sachschäden. Schadensszenarien wie nachträgliche Steuerforderungen, Lizenzentzug, gezwungene Geschäftsaufgabe, Einschränkungen bei Kapitaltransfers und die Blockierung von Geschäftsaktivitäten durch administrative Maßnahmen seitens des Staates könnten ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität und Reputation eines Unternehmens haben.
Nachhaltige Strategien für das RisikomanagementVon neuen Risikobereichen über methodische Ansätze zu technologischen Innovationen – aktuelle Fragestellungen und Lösungsansätze im Risikomanagement nimmt das neue Jahresbuch der RMA Risk Management & Rating Association e.V. in den Blick, u.a.:
Ein anschaulicher Querschnitt aktueller Perspektiven zum Risikomanagement in Unternehmen und Verwaltung, Forschung und Beratung. |