COMPLIANCEdigital
 
Serie Compliance anders, Teil 10  
08.02.2018

Netzwerke der Compliance

Thomas Schneider
Netzwerke erleichtern die Arbeit der Compliance (Foto: vege/Fotolia.com)
Persönliche Kontakte im Unternehmen erscheinen vergleichsweise ineffektiv, um für die Compliance zu werben und Überzeugungen zu verankern. Dennoch sollte auf das Instrument des Netzwerkens nicht verzichtet werden.
Die wenigsten Compliance Officer leiden unter Arbeitsmangel. Daher sollten sie versuchen, die vorhandene Zeit möglichst effektiv zu nutzen.

Der Einfluss durch Netzwerke unterliegt dem Gesetz der drei Schritte. Was Menschen tun und sagen, beeinflusst deren Ansprechpartner, die Ansprechpartner der Ansprechpartner und wiederum deren Ansprechpartner. Zwar nimmt dieser Einfluss mit jeder weiteren Stufe ab, er bleibt aber messbar. Unabhängig davon, ob es um Wahlverhalten, Trinkgewohnheiten, modische Vorstellungen oder das Körpergewicht geht. Zwar gibt es bisher in diesem Zusammenhang keine Untersuchungen zur Compliance, allerdings bestehen auch keine Hinweise, dass sich die Compliance den hier dargestellten Zusammenhängen entziehen würde.

Bei der Einschätzung der Wirkung der eigenen Meinung und Überzeugungen ist nach Christakis und Fowler zu berücksichtigen, dass bei durchschnittlich 20 Kontakten insgesamt bis zu 8.000 (20 x 20 x 20) Personen erreicht werden. Wie genau sich Meinungen und Überzeugungen verbreiten, ist dabei kaum festzustellen.

Impfungen als Vorbild

Interessante Analogien bietet die Medizin, insbesondere eine Untersuchung der Übertragung von Infektionen. Im Falle der Masern müssen beispielsweise 95 Prozent der Menschen geimpft sein, um die Verbreitung zu stoppen. Eine Konzentration auf Netzwerkstrukturen kann allerdings dabei helfen, die Impfquote signifikant zu senken, ohne den Schutz der Bevölkerung zu schwächen. So lassen sich Netzwerkstrukturen nutzen, ohne die Menschen im Einzelnen zu kennen. Ein wirkungsvoller Schutz der Bevölkerung kann laut Bahr bereits erreicht werden, wenn 30 Prozent der Menschen, die sich tendenziell eher in der Mitte eines Netzwerkes als am Rand befinden, geimpft werden.

Der Nutzen des persönlichen Kontakts

Der persönliche Kontakt entfaltet eine beachtliche Wirkung, die den Einsatz des Netzwerkens als zeitintensives Instrument rechtfertigt. Die Compliance sollte ihre Gesprächspartner daher nicht allein nach der offiziellen Stellung im Organigramm des Unternehmens aussuchen, sondern ihre Gesprächspartner danach fragen, welcher weitere Mitarbeiter zu einem bestimmten Thema als zusätzlicher Ansprechpartner dienen könnte. So gelangt die Compliance automatisch zur Mitte der Netzwerke.

Die Wirksamkeit kann zusätzlich gesteigert werden, wenn auf die Ansichten der Mitarbeiter in den Schulungen Bezug genommen wird und - wo erforderlich - eine Präzisierung der Aussagen in den schriftlichen Dokumentationen zur Compliance erfolgt.

Serie „Compliance anders”

Teil 1: Compliance Officer: Fortune müssen sie haben!
 
Teil 2: Nur wenn gesprochen wird, wird der offene Dialog zur Routine

Teil 3: Wenn der Kollege Marotten zeigt
 
Teil 4: Mit Empathie mehr erfahren

Teil 5: Einordnung von Gerüchten in der Compliance

Teil 6: Konkretisierung von Gerüchten in der Compliance

Teil 7: Macht und Moral

Teil 8: Das Nutella-Prinzip

Teil 9: Kreativität und Standardlösungen

Verhaltensorientierte Compliance

Compliance ist als unternehmerische Kernfunktion erst dann wirkungsvoll, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt: Wenn sie zu offener Kommunikation ermutigt und Compliance-konforme Verhaltensweisen bestärkt, statt an erster Stelle mögliche Verstöße in den Blick zu nehmen.

Wie sich verhaltensbezogene Einflüsse bei der Entwicklung und Beurteilung der eingesetzten Compliance-Instrumente besser berücksichtigen lassen, stellen Thomas Schneider und Carina Geckert jetzt erstmals systematisch vor.

Erfahren Sie mit viel Praxisnähe, was verhaltenswissenschaftliche Ansätze und Methoden für effektives Compliance-Management leisten.


(ESV/ps)